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1. "Online-Scheidung" - eine Modesache?
2. Was wären die Vorteile einer "Online-Scheidung"? Ginge sie schneller?
3. Ist eine "Online-Scheidung" billiger?


1. "Online-Scheidung" - eine Modesache?
"Online-Scheidungen" wären in Mode, wenn es sie tatsächlich gäbe.
Tatsächlich kann es keine "Online-Scheidung" geben, da die Familiengerichte keine Online-Scheidungsanträge von Privatpersonen annehmen, von Anwälten derzeit ebenfalls noch nicht.
Damit ist ein von vornherein falscher Begriff gewählt worden. Für die Ehescheidung ist die maßgebliche Verfahrensordnung das Familien und Freiwillige Gerichtsbarkeitsgesetz und die Zivilprozessordnung. Diese kennen das Wort "Online" nicht.

2. Was wären die Vorteile einer "Online-Scheidung"? Ginge sie schneller?
In einem Scheidungsverfahren wird der gesamte Schriftverkehr in Papierform abgewickelt.
Üblicherweise dauert es eine bis mehrere Wochen, um einen Schriftsatz über die Justiz von einem Anwalt zu anderen zu übermitteln. E-Mail wird überhaupt nicht eingesetzt.
Wenn etwas online laufen kann, dann nur die Korrespondenz von Mandant und Anwalt. Dies ist aber seit längerem allgemein üblich.

3. Ist eine "Online-Scheidung" billiger?
Nein, sie darf gar nicht billiger sein. Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) gilt für alle Anwälte. Außer bei außergerichtlicher Beratung ist der Anwalt in seinen Gebühren nicht frei, sondern diesem Gesetz unterworfen.
Diese Gebühren können nur überschritten, nicht unterschritten werden. Für Anwälte, die eine "Online-Scheidung" anbieten, könnte es in der Kalkulation billiger werden, da sie keinen direkten Klientenkontakt haben, dementsprechend weniger Kosten für Räume, Empfang und Mitarbeiter vorhalten müssen.
Darüber hinaus kann sogar eine so genannte "Online-Scheidung" teurer kommen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn man die Qualität des onlinebeauftragten Rechtsanwalts schlecht abschätzen kann.

Teuer kann es werden, wenn aufgrund des fehlenden direkten Kontakts zwischen Mandantin bzw. Mandant und Anwalt wichtige Fragen ungeklärt bleiben, die scheinbar einverständliche Scheidung gar keine solche ist, sondern Streitpunkte in einer möglichen Vorkorrespondenz oder im persönlichen Gespräch mit dem Anwalt zu tage kommen.
Dann wäre eine "Online-Scheidung" mehr als kontraproduktiv.
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